Blickwinkel

“Ich mag mich auf Fotos nicht.”

Spielen wir doch einige Szenarien durch.

Fesch zurechtgemacht, die Locke sitzt, im feinen Zwirn und bereit für die Party, die Familienfeier oder für das Abendessen mit Freunden im Restaurant. Man fühlt sich gut aussehend, zückt die Smartphone-Kamera und stellt nach gefühlten 257 Selfies fest: Endlich ist ein Foto dabei, das akzeptabel ist.

Nun sind wir auf der besagten Party, Familienfeier oder bei dem Treffen mit Freunden. Sind in bester Gesellschaft, man feiert und es ist immer jemand dabei, der den Moment digital festhalten möchte. Da ist er wieder, der Schreck vor sich selbst. Manchmal braucht es nicht den ungünstigen Moment, in dem man gerade die Augen auf halb acht hat, den Mund gefüllt mit Finger-Food oder den Kopf im Nacken, weil man gerade etwas trinkt. Es reicht vollkommen, sich in der Gruppe drapiert und verkrampft in die Kamera lachend auf dem Foto zu entdecken.

Dann ist da noch der Chef oder Vereinsvorstand. Wie schön es doch wäre, das Team, die ehrenamtliche Gruppe oder die Mannschaft auf der Homepage zu präsentieren. Nicht nur im Pulk, nein, auch mit Einzelportrait.

Ob auf eigenen Wunsch einmal zu einem Profifotografen zu gehen oder ein Fotoshooting als Geschenk zu erhalten, es ist bei manchen das mulmige Gefühl nicht wegzudenken, furchtbar auf den Fotos zu wirken, sich und anderen nicht zu gefallen.

Genau diese Situationen erlebe ich am eigenen Leibe. Ich persönlich empfinde es so und als autodidaktische Fotografin habe ich Menschen mit gleichen Gefühlen portraitiert.

Ich für mich und mein Empfinden nahm es so hin, eine angeblich falsche Selbstwahrnehmung zu haben. Als ich jedoch mit Menschen konfrontiert wurde, die das gleiche “Problem” hatten, wollte ich herausfinden was der Grund ist und wie ich vielleicht dazu beitragen könnte, dass mein Gegenüber glücklich mit seinen Bildern wird. Dies trägt schließlich maßgeblich der Weiterempfehlung bei.

Auf der Suche nach Fotogenität, Schönheitsidealen, Selbstbewusstsein und  Selbstbewertung bin ich auf ganz klare und  Mut machende Erklärungen gestoßen. Diese möchte ich in diesem Beitrag erläutern. Unter anderem die Schokoladenseite nebst der Ehrlichkeit unserer Augen in Erinnerung rufen und erklären was es mit dem Begriff – Mere Exposure – auf sich hat.

Ich wünsche mir, dass man ein anderes vor die Kamera treten erleben kann. Spaß am eigenen Ebenbild hat, sich mag und somit beim Anschauen der Fotos und der vergangenen Momente ein wohliges Gefühl empfindet.

Viel Spaß beim Lesen und sich selbst neu wahrnehmen.

Mere-Exposure-Effekt und unser Spiegelbild

Wir beginnen gleich mit dem Entscheidenden, dem psychologischen Phänomen Mere – Exposure.

Der “Mere-Exposure-Effekt” wurde 1968 vom Sozialpsychologen Robert Zajonc entdeckt und besagt, dass man etwas, wenn es einem nur oft genug vorgesetzt wird, immer positiver bewertet. Voraussetzung dafür ist, das man zuvor der Sache neutral gegenüber steht.

Der Effekt kommt zustande, weil bekannte Reize schneller verarbeitet werden als neue. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Reiz bewusst wahrgenommen wird oder nicht. Die Marketingindustrie nutzt dies, wohl wissend, dass ständige Wiederholungen von kurzen Werbespots, positiver und prägnanter von dem Konsumenten wahrgenommen werden.

Wir hören einen neuen Song im Radio und empfinden ihn im ersten Moment vielleicht als langweilig, doch nach zehnmaligem Hören pfeifen wir doch mit.

Auch zwischenmenschliche Anziehung ist von diesem Effekt geprägt. Menschen die wir kennenlernen und immer häufiger begegnen wirken auf uns ansteigend vertrauter. Aus Sympathie kann Freundschaft oder Partnerschaft werden.

So verhält es sich auch mit unserem Spiegelbild, welches wir täglich mehrmals sehen. Jedoch ist es gespiegelt und entspricht nicht der Realität.

Rechts ist das Original!

Wir selbst kennen uns nur kaum anders. Von klein auf betrachten wir uns im Spiegel, kennen unsere gespiegelte Mimik und gespiegelte Asymmetrien. In den wenigsten Fällen sind wir wie Schauspieler oder Models immer vor der Kamera oder haben unsere Wohnräume mit unseren Abbildern plakatiert. Wir sind an unser Spiegelbild gewöhnt und mögen uns bestenfalls so. Die Realität ist aber, dass unser Umfeld uns anders sieht und unsere Portraits das belegen. Wir schauen mit Schrecken auf unsere Fotos und behaupten, das seien nicht wir selbst, wie schrecklich man doch aussehe und bittet um Löschung.

Oft stößt man auf Unverständnis von seinem Gegenüber. Denn das bist DU!!!

Sicherlich, es gibt Menschen wie Du und Ich, die sich auf fast jedem Foto mögen und keinerlei Unsicherheit vor der Kamera empfinden. Ich selbst habe bisher nicht viele davon getroffen oder vor der Kamera gehabt. Mich interessiert Deine Meinung, Dein persönliches Empfinden dazu. Schreib mir doch auf info@indra-artelt.de !

Asymmetrien von unseren Gesichtshälften und die “Schokoladenseite”

Die meisten Gesichter sind auf den ersten Blick symmetrisch. Bei genauerem Hinsehen wird aber auffallen, dass die Augen selten auf gleicher horizontaler Ebene liegen (mein linkes Auge ist größer), die Nase nach rechts oder links zeigt (bei mir links) und der Mund sogar etwas schief ist oder die Lippenstärke unterschiedlich ist (meine rechte Mundhälfte tanzt aus der Reihe). Die Muskulatur ist unterschiedlich ausgeprägt und auffällig ist auch die unterschiedliche Kinnpartie.

Je symmetrischer ein Gesicht ist, so attraktiver aber auch künstlicher soll es angeblich sein. Das ist meiner Meinung nach Geschmacks- und Empfindungssache, denn Ausstrahlung und Attraktivität mache ich von keiner Asymmetrie oder Symmetrie abhängig.

Grund ist neben den genetischen Vorgaben Gesundheitszustand und diversen anderen wissenschaftlichen Untersuchungen, dass die jeweiligen Gesichtshälften von unterschiedlichen Regionen des Gehirn gesteuert werden.

2017
1. Original • 2.linke Seite • 3. rechte Seite

Linke Gesichtshälfte

Wird von der rechten Hirnhälfte gesteuert.

Dort werden Emotionen, Träume, Kreativität erzeugt und verarbeitet.

Der Sitz von Emotionen beeinflusst die linke Gesichtshälfte so, dass sie weicher, emotionaler, echter, unmittelbarer, aber auch müder, verschlossener, unfreundlicher, verletzlicher, erstaunter, naiver wirkt.

Ist die nicht bewusst steuerbare Seite. Man kann dort ablesen wie die Person sich gerade fühlt.

Rechte Gesichtshälfte

Wird von der linken Hirnhälfte gesteuert.

Dort werden Verstand, Sprache, Logik, analytische Fähigkeiten verortet.

Diese Gesichtshälfte wirkt in der Regel offener, wacher, dynamischer, aufgeschlossener, aktiver, freundlicher, aber auch reservierter, entschlossener, beherrschter, distanzierter, kontrollierter und ernster.

Ist die bewusst steuerbare Seite, dort zeigen wir uns so, wie wir von anderen wahrgenommen werden wollen.

Diese Seite wird auch vom Gegenüber eher wahrgenommen!

Schokoladenseite

Es wird überwiegend die linke Gesichtshälfte als die hübschere empfunden und wenn ich meinen Selbstversuch so anschaue, gefalle ich mir auf dem Bild mit 2 x linke Seite am besten.

Du möchtest auch sehen, wie Du nur “links” oder “rechts” aussiehst?

Die ersten 10 Einsendungen bekommen von mir diesen Vergleich bearbeitet!!! Kostenlos

Für gutes Licht gehst Du dazu bitte mit Deinem Handy nah an Dein Fenster (ohne direkte Sonneneinstrahlung, wenn möglich ohne Brille und ohne ein Lächeln – ganz entspannt -) und machst ein frontales Foto von Dir. Schicke es an info@indra-artelt.de und freu Dich auf das Ergebnis.

Die Ehrlichkeit unserer Augen

Wenn ich ein Shooting beginne, bitte ich mein Modell sich an seiner Position erstmal zu entspannen. Ich kommuniziere klar, dass ich vorerst Kameraeinstellungen vornehme und den ein oder anderen Testschuss mache und nicht posiert werden muss. Ist dies geschehen, bringe ich mit sanften Anweisungen die Person in die erste Körperhaltung und lenke bewusst den Blick weg von der Linse.

Erst dann bitte ich um den Blick in die Kamera, dieser darf über die Schulter kommen oder mit leicht geneigtem Kopf (liest sich öde ? Da entstehen aber schon die ersten tollen Bilder). Sobald ich merke, das mein Gegenüber locker wird und sich wohlfühlt gehe ich zum Lächeln über. Genau dieses Lächeln in Kombination mit der erarbeiteten Wohlfühlsituation, zieht sich wie ein roter Faden durch das Shooting.

Das “in die Kamera lachen” versuche ich stets zu vermeiden. Meine Momente kommen, denn während des Fotografierens bin ich verbal gut dosiert, immer für mein Model präsent und ich bekomme die Gelegenheit für einen lustigen Spruch, der mir ZACK….ein authentisches Lachen schenkt.

Die Mundwinkel verändern sich natürlich, die Mimik und die Körperhaltung passt sich an und das Wichtigste, die Augen lachen mit.

Den Lachmuskel am Mund kann man willkürlich steuern, wenngleich es sich an den Nasolabialfalten vermuten lässt…echt oder unecht. Der Blick in die Augen verrät es, denn der Musculus orbicularis oculi (Augenringmuskel, ja.. den anatomisch medizinischen Begriff musste ich genauestens googeln) bewegt sich unwillkürlich.

Die Gesichtszüge entgleisen und die Augen strahlen quasi bei einem herzhaften Lachen. Man muß die lachende Person nicht kennen, um dies zu entdecken.

Zum Schluss

  • Beschäftige Dich doch mal mit Deinem Gesicht außerhalb von dem Blick in den Spiegel. Mache täglich ein Selfie und achte dabei auf Deine Schokoladenseite :-). Hebe Dein Smartphone etwas an, damit Du leicht runter fotografierst, hebe leicht das Kinn, das macht ein schlankeres Gesicht….gewöhne Dich an Dich.
  • Man kennt seine Asymmetrien im Gesicht, schau doch mal genau wo Du noch welche findest. Ich bin mir sicher, Du wirst welche entdecken, die Dir zuvor nie aufgefallen sind. Genau diese machen dich aus und sind interessant.
  • Wenn andere Dich fotografieren, bleib entspannt, drehe Deinen Körper und Deine Schokoladenseite leicht zur Kamera und lache nur… wenn Dir danach ist… wenn nicht, dann schenke ein leichtes freundliches Lächeln.

That’s all.